Stäbchen (c) STADTBEKANNT

Essen wie in Japan

Dem Wiener mag sie fremd sein, doch wenn er sich der japanischen Esskultur einmal hingegeben hat, so wird er sich bei der nächsten Mahlzeit vielleicht sogar dabei erwischen, besonders dankbar für Speis’ und Trank sein. Solange er das Schnitzel nicht mit den Stäbchen isst …

 

Dankeswort

Was dem Wiener sein „Mahlzeit“, das ist dem Japaner das „Itadakimasu“. Während wir hier im besten Fall freundlich dreinschauen, so werden die Pre-Essens-Wörter in Japan in der höflichsten Form von gefalteten Händen und kurzer Verbeugung begleitet. Übersetzt bedeutet es schließlich so viel wie „ich nehme dankbar an“. Wir ahnen jetzt schon, dass Essen auf japanische Art keinesfalls mit dem bloßen Stillen des Hungers gleichzusetzen ist. Herr Knigge und Herr Elmayer wären wohl entzückt.
 

Mein rechter, rechter Platz ist leer

Eigentlich fängt es bereits einen Schritt früher mit der richtigen Sitzordnung an. Der Gastgeber hat den Rücken zur Türe und seine Gäste sitzen ihm gegenüber, wobei der ranghöchste am weitesten vom Eingang entfernt ist. Die Schuhe müssen ausgezogen werden, weshalb man die Sockenauswahl mitbedenken sollte. Traditionellerweise sitzen Japaner bodennah im Schneidersitz an niedrigen Tischen.

Unkai - Tatami (c) STADTBEKANNT
Unkai – Tatami (c) STADTBEKANNT

Hand-Tuch

Bevor das Essen losgeht, sollten Hände gewaschen werden: klar, die Regel ist auch in Europa bekannt. In Japan gibt es hierfür aber kein Entkommen, denn statt auf die Toilette zu gehen, wird jedem Gast zu Beginn der Mahlzeit das „Oshibori“, ein Erfrischungstuch, gereicht. Sobald die erste Speise serviert wurde, dürfen wir dann mit einem „Itadakimasu“dankbar sein für das, was nun kommt.

Tee (c) STADTBEKANNT
Tee (c) STADTBEKANNT

Trinkkultur

Ein „Kanpai“ zum Beispiel. Denn dieser Ausspruch heißt „Prost“ und ist genauso wie bei uns zu verwenden. Nur ja nicht mit dem Wort „Kenpai“ verwechseln, welches bei Beerdigungen verwendet wird. Sich selbst ein Getränk nehmen, darf man übrigens nicht; es wird gegenseitig eingeschenkt.

 

Es mundet

Dass man in Japan mit Stäbchen isst, ist bekannt; dass man damit einiges falsch machen kann, wohl weniger. Essen damit aufspießen sollte man genauso wenig wie damit zu gestikulieren oder gar auf jemanden zu zeigen. Ein absoluter Faux-Pas wäre es, die Stäbchen in den Reis zu stechen, denn das geschieht ebenso wie das „Kenpai“ nur an Trauertagen. Und weil es übrigens immer schmecken muss, um den Gastgeber nicht zu enttäuschen, darf man jederzeit „oishi“ sagen.
 

Schnell noch ein Tee?

Ein eigenes Kapitel ist der Tee, dem eine ganze Zeremonie gewidmet ist, für die es einen speziellen Ablauf gibt, der über Jahre hinweg erlernt wird. Kniend begeht man hierbei auf Tatami Matten über Stunden ein Ritual, das von der Bewunderung der Teetasse hin zum Verkosten der Süßigkeiten reicht und als fast schon meditativer Akt dem Gast das Innehalten ermöglichen soll.

Unkai - Bento Box (c) STADTBEKANNT
Unkai – Bento Box (c) STADTBEKANNT

Wo in Wien

Neben Pseudo-Asiaten und Japanern, die Tradition außen vor lassen, gibt es eine besondere Empfehlung für den, der nicht nur japanisch essen, sondern auch in die Kultur eintauchen möchte. Das Unkai im oberen Stock des Grand Hotel bietet alleine räumlich allerlei Möglichkeiten, etwa in einem der Tatami Räume mit Kimono Service. Kulinarisch bietet das Wolkenmeer, wie Unkai übersetzt heißt, von der Bento Box über Suhsi und Teppanyaki sowie Sake die gesamte Bandbreite japanischer Gerichte und Getränke. Bleibt nur mehr zu sagen „Goshisousama deshita“ – ich wurde beschenkt, danke für das gute Essen!

Kommentieren

Die Emailadresse wird nicht veröffentlicht.