Wiener Bar in der Leopoldstadt

Im unangetasteten Stuwerviertel ist eine Lángos-Bar, wo Nackabatzis auf Sliwowitz treffen – ganz jugendfrei natürlich.

Lam.pe.rie, Substantiv, feminin [die] besonders mundartlich

Wer sich ein wenig mit lokaler Geschichte auskennt, der weiß, dass mit Lamperie keine Leuchtmittel gemeint sind. Vielmehr handelt es sich um eine „Holzvertäfelung, die früher vor allem in den Wiener Gaststuben zur Wärme und Feuchtigkeitsisolierung benötigt wurde“, (siehe Architekturglossar des Parlaments). Eine Hommage an jene Wandverkleidung ist die gleichnamige Bar im Stuwerviertel, die dem Lángos ein kleines Upgrade verpasst und unverschämt guten Gin Tonic serviert.

Lamperie Wiener Bar (c) STADTBEKANNT Wetter-Nohl
Lamperie Wiener Bar (c) STADTBEKANNT Wetter-Nohl

Magyarische Teigflade

Dem aufmerksamen STADTBEKANNT-Leser wird aufgefallen sein, dass hier erst kürzlich von dem ungarischen Pendant der italienischen Pizza berichtet wurde. Im Stuwer ums Eck hat Roland Soyka im ehemaligen Gasthaus von Smiljka Momirovic die im nahen Prater so beliebten Lángos auf den Prüfstand gestellt und in neuer Form auf die Tische des neuen Wiener Beisls gebracht. Als abendliches Pendant dazu betreiben die beiden gemeinsam eine Bar.

Lamperie Teigtascherl (c) STADTBEKANNT Wetter-Nohl
Lamperie Teigtascherl (c) STADTBEKANNT Wetter-Nohl

Von Nackabatzis und süßen Tascherln

Während im Stuwer auch anderes auf der Karte steht, konzentriert man sich in der Lamperie auf die eine Speise. Ob Nackabatzi, also die pure Variante mit Knoblauch und Salz, mit Beinschinken, Sauerrahm, Kren und Schnittlauch, vegetarisch mit Humus, Feta und Gemüse oder in der gefüllten Variante alias süßes Tascherl mit Apfel-Birnen-Chutney, Zucker, Zimt, Walnüssen und Schokosauce, die Teigfladen stehen jenen im Stuwer um nichts nach: außen knusprig, innen flauschig und vorzüglich im Geschmack.

Lamperie Teigtascherl Gemüse (c) STADTBEKANNT Wetter-Nohl
Lamperie Teigtascherl Gemüse (c) STADTBEKANNT Wetter-Nohl

Haus-Gin und Sliwowitz vom Papa

Die Cocktailkarte verspricht Klassisches ebenso wie Signature-Drinks, allen voran das Lamperie Mädel mit Fentiman’s Tonic und einem exklusiv für die Lamperie kreierten Gin von Tino Krieg. Die geheimen Zutaten wurden nicht einmal der herzigen Chefin Smiljka verraten. Mutmaßungen lassen wir an dieser Stelle sein, aber Gin-Liebhaber sollten diesen vielschichten, blumigen Drink unbedingt einmal ausprobieren. Ein weiterer Glanzpunkt ist der Sliwowitz, den der 84-jährige Vater von Smiljka in Serbien selber brennt. Das i-Tüpfelchen hier ist aber die Stuwerviertlerin Smiljka selber: eine eingesessene Gastronomin aus Ex-Jugoslawien mit viel Herz und Humor.

Lamperie Haus Gin (c) STADTBEKANNT Wetter-Nohl
Lamperie Haus Gin (c) STADTBEKANNT Wetter-Nohl

STADTBEKANNT meint

Das Stuwerviertel erwacht langsam aus dem Dornröschen-Schlaf. Ebenso wie das Stuwer widmet sich auch die Lamperie dem im Prater beliebten Làngos. Warum trotz der Nähe zu Ungarn bisher noch niemand auf die Idee gekommen ist, den magyarischen Nationalfladen aufzupimpen, ist mir ein Rätsel. Die Lamperie-Umsetzung ist jedenfalls bestens gelungen und wurde auch noch mit erstklassigen Drinks gepaart!

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